Wie alt ist Rolandswerth ?

Kurzbericht zur Entstehung von Rolandswerth

Gelegen an der römischen Heerstraße zwischen den Garnisionen Bonn und Remagen, unterhalb eines Felsen und an der damals noch unbebauten Rheininsel, zwischen Mehlem und dem heutigen Rolandseck. Das durch das heutige Rolandswerth eine Straße führte, ist auf einem alten römischen Meilenstein an der B 9 zwischen Calmuth und der Unkelsteinbrücke hinterlegt. Demnach existierte bereits 162 n. Chr, eine Römerstraße zwischen Mehlem und Remagen. In den folgenden Jahrhunderten gibt es immer wieder Nachweise dieser Straße.

Menschen lassen sich bevorzugt nieder, wo die Verhältnisse günstig für das Überleben waren: mit dem Fluss vor der Haustür, in dem sich die Lachse nur so tummelten und dem fruchtbaren Lehmboden drum herum, Rolandswerth war sicherlich eine bevorzugte Örtlichkeit über die Jahrhunderte hinweg. Wenn über die Zeit vor der Klostergründung die Quellenlage auch schlecht ist, so kann man mit Sicherheit annehmen, dass immer schon Menschen hier gelebt haben.

Rolandswerth („Rûleicheswerd“) ist im späten 11./frühen 12. Jahrhundert als Name der Insel im Rhein nachweisbar. Fast alle Rheininseln enden auf „Werth“, es bezeichnet in Mittelhochdeutschen eine Flussinsel, vergleichbar dem eher im Norden vorkommenden „Werder“ als Namen für Inseln, z. B. in der Weser.

Auf unserer Insel „Rûleicheswerd“ wurde vermutlich im Jahr 1122 durch den Kölner Erzbischof Friedrich I. (1099 bis 1131) ein Kloster gegründet. Erzbischof Friedrich gründet laut Nekrolog (Totenbuch) des Klosters auch die Burg Rolandseck.

Schon 1110 hatte er in Remagen auf Bitte der dortigen Bürger den Bau einer neuen Kirche – St. Apollinaris – an der Stelle der alten Martinskirche verfügt. Beide – St. Apollinaris und das Kloster Rolandswerth – werden dem Siegburger Kloster auf dem dortigen Michaelsberg unterstellt, das traditionell enge Beziehungen zu den Kölner Erzbischöfen pflegte.

Erzbischof Friedrich stirbt 1131 auf der Wolkenburg, die er zuvor gleichfalls erbaute, er wird im Siegburger Kloster beigesetzt. Auch die Gründung der Burg Rolandseck fällt somit in die Zeit vor 1131.

Geografisch befand man sich hier an der südlichen Grenze des Kurfürstentums Köln, die Neugründungen sicherten die Grenze nach Süden ab.

Die Insel mit dem damaligen Namen „Rûleicheswerd“ gehörte zuvor dem Kloster Siegburg. Sie wird von den Siegburger Äbten für die Klostergründung gestiftet. Zum Ausgleich hierfür gab eine der zukünftigen Klosterfrauen mit Namen Eveza ein Grundstück an Siegburg zum Tausch gegen die Insel.

Als Grund für die Klostergründung war die in der Zeit nachlassende Frömmigkeit genannt worden und die neuen Klosterfrauen lebten denn auch – wie in Siegburg – nach der strengen Regel der Benediktiner.

Das weit über das Rheinland hinaus berühmte Siegburger Kloster, das im Jahre 1064 vom Kölner Erzbischof Anno II. gegründet wurde, zählt die Insel „Rûleicheswerd“ schon seit seiner Gründung zu seinen Besitztümern. Man nimmt an, dass die Beurkundung der Gründung spätestens 1075 vor dem Tod des Klostergründers und Kölner Erzbischofs Anno II. stattfand.

Was bedeutet das nun für Rolandswerth?

Sicherlich darf man davon ausgehen, dass es den Namen als Namen der Insel schon vor 1064 gegeben hat, als es mit eben diesem Namen in die Gründung des Siegburger Klosters einging.

Vielleicht gehörte sie auch damals einem Rûleiches / Roland (Lat. Hruodlandus / Hruotland ), der sie dem Kloster Siegburg stiftete und spätestens dadurch erhielt sie ihren Namen. Die Quellenlage in diesen Jahrhunderten ist schlecht. Nicht nur in Rolandswerth sondern in ganz Europa. Das Schriftliche war für einige Jahrhunderte verdrängt worden und tatsächlich vorhandene schriftliche Zeugnisse überdauerten die Jahrhunderte nur durch glückliche Umstände.

Wahrscheinlich ist, dass die Insel lange zuvor so hieß, mutmaßlich seit der Karolingerzeit: Ortsnamen sind beständig.

Wer Rûleiches / Roland / Hruotland war, darüber können wir leider nur spekulieren. Da auch die Burg Rolandseck seinen Namen trägt darf man aber vermuten, dass er aus karolingischem Adel kam und mit der strategisch wichtigen Absicherung des Rheines und der Römerstraße betraut war. Eine durchaus vertrauensvolle Aufgabe. Die Karolinger (Karl der Große) hatten ihre Familiengüter in der Gegend zwischen dem nordwestlichen Köln und Aachen. Von dort bis zum Rolandsbogen ist es nicht weit.

Für eine karolingische Besiedlung (9. Jh. und früher) der näheren Umgebung spricht ein weiteres Indiz: Der Broichhof auf dem Rodderberg ist als Name ein wertvoller Hinweis: Broichhöfe bezeichnen Landgüter aus der Karolingerzeit.

Ob unser Namensgeber Roland der berühmte Roland (gest. 775) aus dem „Rolandslied“ ist, das lässt sich nach Quellenlage nicht beweisen. Aber das Gegenteil auch wieder nicht. 1170 wurde das sog. Rolandslied durch den „Pfaffen Konrad“ aus dem Altfranzösischen ins Deutsche übersetzt und schnell überall berühmt. Aber da hieß unsere Insel schon lange so und offensichtlich wurde damals kein uns bekannter Zusammenhang hergestellt. Also nehmen wir an, dass es den ein oder anderen mit Namen Roland gegeben haben wird.

1158 stellt Kaiser Friedrich I (Barbarossa), als er in Sinzig weilt, dem Kloster einen kaiserlichen Schutzbrief aus, sicher auf Veranlassung seines Kanzlers, des Kölner Erzbischofs Rainald von Dassel (derselbe, der die Gebeine der heiligen drei Könige nach Köln bringt). Der kaiserliche Schutz für das Kloster soll zukünftig durch die Kölner Erzbischöfe gewährleistet werden. Unser Kloster ist, wie wir annehmen dürfen, durchaus von Bedeutung. Über einen kaiserlichen Schutzbrief verfügt noch lange nicht jeder!

Was aber wissen wir über das linksrheinische Gebiet gegenüber der Insel, das heutige Rolandswerth?

Erzbischof Friedrich, der Pfalzgraf Wilhelm, ein „Luzo von Honnef“ sowie zahlreiche weitere haben sich bei der Klostergründung als außerordentlich wohltätig erwiesen.

Auch die Klosterfrauen brachten dem neu gegründeten Kloster viele weitere Güter ein. Es wurde sehr schnell wohlhabend. Landeinwärts streckten sich die Besitztümer bis nach Adendorf und Ahrweiler, entlang des Rheines bis nach Mehlem und Oberwinter.

Man darf also annehmen, dass das Gebiet, auf dem das heutige Dorf liegt, das Rolandwerther „Festland“ zu dieser Zeit gänzlich dem Kloster gehörte.

Ein Kölner Bürger mit Namen Walbert gründete gegen 1144 auf dem Rolandswerther „Festland“ ein Hospital mit Kapelle. Sein Vermögen reichte nicht ganz und die Klosterfrauen von der Insel steuerten reichlich bei. Dafür erworben sie das Recht, den Geistlichen an der Kapelle frei zu wählen.

Das Hospital scheint 150 Jahre nach seiner Gründung schlecht geführt worden zu sein. Die Rektoren betrachteten sich als unabhängig vom Kloster, nahmen die Früchte, Einkünfte und Renten für sich selbst und die Aufnahme von Armen und Kranken unterblieb. Die damalige Äbtissin Elysa in „Rolandswerde“ wandte sich an ihren leiblichen Bruder, den Erzbischof von Köln, Heinrich von Virneburg, und erreichte 1322, dass die Verwaltung plus die Einkünfte des Hospitals an das Kloster übertragen werden. Auch hier lässt sich die Bedeutung des Klosters ablesen, wenn die leibliche Schwester des Erzbischofs, also des obersten Landesherren des Kurfürstentums Köln und Kanzler des deutschen Reiches und Stellvertreter des Kaisers hier in Rolandswerth zur Äbtissin eingesetzt wird.

Weitere Beurkundungen zum „Festland“:

1209 schenkt Graf Theoderich von Cleve dem Stift St. Marien zu den Stiegen in Köln den Wildbann (Jagdrecht) auf seinen Grundstücken in „Rulingiswerde“ und von den Weinbergen ebendort am Todestage seines Vaters sowie seinem eigenen Todestage je eine halbe Ohm Wein nach Bonner Maß.

Abt Ludolf von St. Martin (Köln) gibt 1225 einen Weinberg in Rolandswerth „in insula Rulingi“ = auf Rolands Insel mit dem angrenzenden Areal dortigen Pächtern zur Erbpacht. Sie zahlen jährlich zwei Carraten Wein Bonner Maßes. Das Kelterhaus, das der Abt zuvor neu gebaut hatte, müssen sie auf eigene Kosten wieder herstellen, falls es durch Feuersbrunst, Alter oder andere Umstände Schaden erleidet.

Ein Heinrich von Alpheim hat einen Weingarten in „Rulineswerda“, an einer Stelle, die Sunnehelda (sonniger Abhang) heißt und verkauft ihn (vor 1252) an die Kirche zu Altenberg.

Man darf sicherlich annehmen, dass sich alle diese Beurkundungen auf das linke Rheinufer gegenüber der Insel beziehen.

Das „Festland“ liegt zudem an der uralten Heerstraße der Römer. Spätestens seit Karl dem Großen, also im 9. Jahrhundert, wird sie wieder bedeutsam. Es wird viel gereist zwischen den Rheinlanden und Rom. Die deutschen Könige und Kaiser halten sich nicht nur zur Kaiserkrönung in Rom auf, einige sind mehrere Male über die Alpen gezogen. Was in Italien nicht nur Freude auslöste.

Der Kölner Erzbischof vertritt den Kaiser, wenn dieser außer Landes weilt. Zwischen Köln und Rom, entlang der alten Römerstraße, entstehen Pfalzen, in denen der Kaiser auf der Durchreise mit seinem Gefolge verweilen kann. Köln – Bonn - Sinzig usw. ca. alle 30 km: eine mittelalterliche Tagesreise.

Auf dem Rolandswerther „Festland“ hat sicher nie ein kaiserlicher Tross gelagert, es gibt viel zu wenig Platz. Aber durchgezogen ist er auf der alten Römerstraße nicht selten. Und einzelne Reisende und Reisegruppen haben ganz sicherlich Station gemacht. Viele Diplomaten reisten zwischen Köln und Rom hin und her. Und Pilgerreisen waren im ganzen Mittelalter, was der Tourismus in der Neuzeit ist.

Wenn man sich hineindenkt in diese Hinweise, dann entsteht das Bild von quirligem Leben. Weinberge benötigen Menschen, die sie bearbeiten, diese haben Familien, man kann vor dem inneren Auge Häuser sehen, in denen Familien wohnen, in denen gekocht wird und um die Hühner herum laufen. Ein erwähnter Weinberg hat ein Kelterhaus, das Hospital hat Wirtschaftsgebäude, überall wird es Stallungen geben. Reisende ziehen vorbei. Durchreisende Menschen und Pferde müssen versorgt werden. Das Kloster selbst beherbergt nur hochstehende Gäste. Das niedere Gefolge wird am Festland bleiben. Es wird gekocht, Essen wird an Reisende verkauft. Entlang der Römerstraße werden Waren angeboten. Sicherlich wird es auch einen Schmied in der Nähe geben, und einen Ofen, in den die Frauen ihr Brot zum Backen bringen. Fischer werden die Fische aus dem Rhein fischen und nachher zum Verkauf anbieten.

Nein all dieses ist nicht belegt aber all das gehört zu lukrativ funktionierenden landwirtschaftlichen Gütern und die sind in ausreichendem Maße durch den Reichtum des Klosters belegt also müssen sie entsprechend bewirtschaftet werden und das erfordert Menschen, die dort leben. Wie sonst sollte es funktionieren? Das Kloster war ein wirtschaftlicher Mittelpunkt wie viele andere bedeutende Klöster zu dieser Zeit.

In einem Einnahmeregister von Erzbischof Dietrich vom Moers vom 01.03.1422 ist vermerkt, dass die Dörfer Melenheim (Mehlem) , Landerstorp (Lannesdorf) und Wirdt (Rolandswerth) 150 Gulden für die Hussitenfeldzüge des Kaisers gegen die Ketzer in Böhmen aufbringen mussten. Das ist viel Geld also handelt es sich auch im 15. Jahrhundert noch um einen wohlhabenden Landstrich.

Um 1466 wütet eine Feuersbrunst auf der Insel, sämtliche Papiere verbrennen, auch die Güterverzeichnisse, die nach mündlichen Angaben wieder aufgestellt werden mussten. Man sagte auch noch zu dieser Zeit, in der ganzen Gegend sei kein Morgen Land gewesen, der nicht dem Kloster gehörte.

Während des Burgundischen Krieges wenige Jahre später brannte es ein zweites Mal. Der damalige Kölner Erzbischof Herrmann weihte im Jahr 1481 das Kloster erneut und diese Weihe ist diejenige, die die Klosterfrauen in ihren Aufzeichnungen als die einzige erinnerten – alle Kenntnis über die Anfänge waren in den Bränden zuvor zerstört worden.

Es gibt aber Quellen in Siegburg und Köln, die immer noch von der Existenz von „Rûleicheswerd“ künden.

Durchziehende Kriegsvölker nahmen ihren Anteil vom bescheidenen Wohlstand der Bevölkerung. Pest und andere Seuchen im Mittelalter entvölkerten auch Rolandswerth.
Viele kleine Eintragungen in den Gemeinde- und Kirchenbüchern geben immer wieder Hinweise auf den Ort. So auch dieser Eintrag im Mehlemer Kirchenbuch: Am 15.03.1631 wurde Christina, Ehefrau von Peter im "Veitgen" (Rolandswerth) als Hexe verbrannt.

Mit dem Bau der Eisenbahn 1856 kamen Kaufleute und Fabrikanten aus Köln und Umgebung nach Rolandswerth um hier ihren Zweitwohnsitz zu haben. Gleichzeitig kamen zu den traditionellen Berufen noch Gärtner, Kutscher, Köche und Diener hinzu. Mit der Eisenbahn wie auch der aufkommenden Dampfschifffahrt trafen auch Touristen in Rolandswerth ein. So lebten in Rolandswerth gegen 1864 über 400 Personen, es gab eine Dorfschule und sogar eine Kaltwasserheilanstalt. (Das Gebäude der Heilanstalt ist heute eher bekannt als "Haus Humboldstein" an der Bundesstraße 9) Neu errichtete Fabriken in der Umgebung bescherten der Bevölkerung weitere Arbeitsplätze.

Der 1. und 2. Weltkrieg brachten menschliches und finanzielles Elend über die damals selbständige Gemeinde Rolandswerth und dessen Bevölkerung.
Durch die Wahl Bonns als Regierungssitz kehrte Anfang der 50er Jahre wieder ein bescheidener Wohlstand zurück nach Rolandswerth.
Ursprünglich gehörte Rolandswerth also zur heutigen Gemarkung Mehlem. Um es genau zu nehmen wäre Rolandswerth seit dem 18.12.1968 auch wieder ein Teil von Bad Godesberg geworden, so zumindest hat der Gemeinderat Rolandswerth es so beschlossen. Allerdings wurde der Beschluss nicht mehr umgesetzt, da Bad Godesberg selbst im August 1969 in die damalige Bundeshauptstadt Bonn eingegliedert wurde. Nach der Gebietsreform des Kreises Ahrweiler im gleichen Jahr hat Rolandswerth auch keinen eigenständigen Gemeinderat mehr, sondern ist mit ca. 600 Einwohnern kleinster Stadtteil der Stadt Remagen geworden.

Die Abhandlung erhebt keinen Anspruch auf Vollkommenheit, es soll nur eine grobe Zusammenfassung der Zeitgeschichte darstellen.
Weitere Informationen, Anregungen, Verbesserungen können über das Kontaktformular direkt dem Verfasser zugesandt werden.

Rudolf Schönenborn
(Ortsvorsteher Rolandswerth 1999 - 2010)

 

Susanne Fofana, M.A.

(Bürgerin von Rolandswerth)

 

Stand : 04/2016